Alfred Döblin: zum selber denken

Erinnerung an Döblin anläßlich einer Ausstellung, 1987, Kunstamt Kreuzberg

Aus dem Inhalt:

(Stimme, Zitat)
„In Stettin an der Oder lebte einmal ein Vater. Dieser Mann hieß Max Döblin ...“

Kommentar:
Jedoch der Vater fuhr nicht nach Mainz, sondern brannte durch: mit einer Schneidermamsell nach Amerika. Die Mutter zog mit den 5 Kindern nach Berlin, wo ihre wohlhabenden Brüder sie als arme gestrandete Verwandte im Berliner Osten versteckten; eine Stube plus Küche, in der Blumenstraße. Als „Freischüler" kam Alfred Döblin als einziges von den 5 Kindern aufs Gymnasium.

(Stimme, Zitat)
„Ich habe beim letzten Verlassen der Schule auf den Boden gespuckt..."

Kommentar:
Als Medizinstudent besucht er nebenbei philosophische Vorlesungen – und natürlich die dazugehörigen Caféhäuser wie etwa das Café Josty - Treffpunkt der "Jungen Wilden" von damals. Er schreibt Erzählungen und Aufsätze, findet aber keinen Verleger. Im 1. Weltkrieg Kasernenarzt. Der S. Fischer Verlag bringt seine ersten Romane heraus. Nicht gerade Bestseller, aber langsam beginnt Döblin in der Welt der Literatur ein Begriff zu werden. Er ist jetzt Anfang 40, und Berlin, das Berlin der 20er Jahre, die Großstadt, das ist, so sagt er, das Benzin, mit dme sein Motor läuft.

Stimme, Ziitat
„Und das rebelliert, konspiriert, brütet rechts, brütet links,... es glänzt und spritzt“
Ausschnitt aus „Berlin Alexanderplatz

Kommentar:
Die Geschichte vom Franz Biberkopf, der in Berlin Alexanderplatz ein anständiger Mensch werden will, wird das Buch der 20er Jahre. Nach Art der Foto Collage eines John Hartfield hat Döblin scheinbar nicht zusammenhängende Ereignisse, vom Wetterbericht bis zur Schlagzeile, zusammenmontiert, so daß erst die Assoziationen des Lesers Zusammenhang und Bedeutung herstellen, eine literaturgeschichtliche Wende !

Stimme Zitat
„Der Roman hat mit Handlung nichts zu tun., Wenn ein Roman nicht wie ein Regenwurm in Stücke geschnitten werden kann...“

Kommentar:
Der überwältigende, weltweite Erfolg des „Alexanderplatz" hatte aber auch einen negativen Effekt: Döblin, das war ab jetzt der "Alexanderplatz". Und was immer er vorher oder nachher schrieb blieb weitgehend unbeachtet. Diesen unbekannten Döblin wioll diese Ausstellung ans Licht bringen. Große Fotomontagen zeigen Lebensabschnitte, aber wie bei Döblin bleibt es dem Betrachter überlassen, Zusammenhänge herzustellen. Eine stile Ausstellung, ohne Dias oder Filmprojektion, ohne Tonbeschallung, Lichtspiel und andere Effekte.

Eine Ausstellung zum selber Denken.

Ein Bericht von Michael Plümpe, 1987, Archiv ergo-film